Historische ORF-Radiosendereihe

Keine Angst vor Musik

Eine ORF-Radiosendereihe über Grundlagen des Musikverstehens
gestaltet von Prof. Robert Schollum und Dr. Roman Roček, wiederentdeckt von Johannes Slavicky

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Beschreibung der Sendungen

Dr. Roček war im Jahr 1969 Leiter der Abteilung „Wissenschaft und Volksbildung (Schulfunk)“ im Hörfunk des ORF. Gemeinsam mit Prof. Schollum verfolgte er das Ziel, einem interessierten Publikum die klassische Musik prägnant und verständlich näherzubringen. Ein besseres Verständnis der musikalischen Zusammenhänge sollte das Hören erleichtern und das Hörvergnügen steigern. Die „Angst“ vor klassischer Musik zu mildern oder zu nehmen, war und ist ein zeitloses und ehrenwertes Anliegen.

Die Sendungen mit einer Länge von knapp einer halben Stunde wurden in unregelmäßigen Abständen produziert und ausgestrahlt. Ursprünglich war vorgesehen, die Reihe im Abstand von 14 Tagen zu senden. Dieser Rhythmus wurde jedoch mehrfach durchbrochen, sodass die 43 Folgen im Zeitraum vom 9. Dezember 1968 bis zum 22. Dezember 1970 ausgestrahlt wurden.

Anfangs liefen die Sendungen montags um 21:00 Uhr; ab dem 30. September 1969 wechselte der Termin auf Dienstag, 21:30 Uhr. Diese Sendezeit machte es einem jugendlichen Publikum, an das sich der Schulfunk auch richtete, leider kaum möglich, die Sendungen zu verfolgen. Ob Eltern oder Musikpädagogen die Sendungen aufzeichneten, um sie anschließend jungen Menschen vorzuspielen, ist heute nicht bekannt.

Eine Buchpublikation zum Sendungsthema „Keine Angst vor Musik“ war geplant, kam jedoch nicht zustande. (Brief des Verlags Schott). In diesem Zusammenhang gab es auch Anregungen, die Sendungen mit Unterstützung verschiedener öffentlicher Einrichtungen als Schallplattenedition zu veröffentlichen. (Brief von Prof. Stoll). Auch dieses Vorhaben wurde letztlich nicht verwirklicht.

Der damalige ORF-Generalintendant Gerhard Bacher beglückwünschte Prof. Schollum zu seiner Sendereihe und stellte fest, „dass Ihre Sendereihe ‚Keine Angst vor Musik‘ genau das darstellt, was ich mir unter volksbildnerischer Arbeit im besten Sinne vorstelle.“ Darüber hinaus schlug er eine Fortsetzung der Sendereihe vor, die jedoch von Dr. Roček und Prof. Schollum nicht verwirklicht werden konnte. (Korrespondenz mit Generalintendant Bacher)

Bemerkenswert ist, dass bis vor kurzem noch Workshops angeboten wurden, die ein ähnliches Ziel verfolgen, etwa der Kreativ-Workshop "Keine Angst vor Musik – es geht auch ohne Noten oder Mit Musik geht alles besser! – Musikalische Früherziehung von klein an". Dieser Workshop, der im Raum Chemnitz 2024 noch abgehalten wurde, ist derzeit nicht mehr im Web auffindbar.

Damit stellt sich die Frage, ob klassische Musik auch mehr als 55 Jahre nach der Entstehung der Sendereihe für viele Menschen noch immer mit einer gewissen Hemmschwelle verbunden ist. Die vielfältigen Bemühungen von Kulturverantwortlichen, Pädagogen und Institutionen scheinen diese Barriere jedenfalls nicht vollständig abgebaut zu haben.

Die Sendereihe richtet sich auch heute noch an alle, die mehr über Musik erfahren oder ihr Wissen auffrischen möchten. Sie bietet wertvolle Anregungen und Unterstützung für ein vertieftes Verständnis musikalischer Zusammenhänge.

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Die Autoren

Robert Schollum

Robert Schollum (* 22. August 1913 in Wien; † 30. September 1987 ebenda) war ein bedeutender österreichischer Komponist, Dirigent, Musikpädagoge, Musikkritiker, Musikschriftsteller und Hochschullehrer.

Er studierte am Neuen Wiener Konservatorium sowie an der Wiener Musikakademie Komposition bei Joseph Marx, Musiktheorie bei Egon Lustgarten und Orgel und Klavier bei Carl Lafite.

Von 1932 bis 1945 war Schollum als Dirigent tätig und leistete Militärdienst bei der deutschen Wehrmacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er als Chorleiter am Alten Dom in Linz und leitete verschiedene Chorgruppen. Zudem übernahm er die Leitung der Linzer Städtischen Musikdirektion und war als Musikberater des Kulturamtes tätig.

Schollum galt als wichtiger Vertreter der A. Schönbergschen Zwölftontechnik und war von 1965 bis 1969 Präsident des Österreichischen Komponistenbundes.

Weitere Informationen: Wikipedia

Roman Roček

Roman Roček (* 31. Jänner 1935 in Wien; † 2. Jänner 2013 ebenda) war ein österreichischer Kulturhistoriker, Mediensoziologe und Philosoph. Er war auch als Journalist und Autor tätig.

Roček maturierte 1954, arbeitete zunächst im Staatsdienst und absolvierte daneben ein Studium der Psychologie an der Universität Wien, das er 1964 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss.

Er lebte lange Zeit in Brunn am Gebirge in Niederösterreich sowie später in Wien. 1964 wurde er Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Verbandes Wiener Volksbildung. 1967 übernahm er die Leitung der Abteilung Wissenschaft und Volksbildung (Schulfunk) im Hörfunk des ORF und war dort von 1975 bis 1995 Leiter der Hauptabteilung Kulturelles Wort.

Roček war Biograf und Herausgeber des lyrischen Gesamtwerks von Alexander Lernet-Holenia. Zudem verfasste er Opernlibretti und eine Biografie von Nikolaus Lenau.

Er war Schatzmeister und Vizepräsident des Österreichischen P. E. N.-Clubs und wirkte über viele Jahre als Nachlassverwalter der Werke des Komponisten Richard Maux.

Weitere Informationen: Wikipedia

Augustin Kubizek

Augustin Kubizek (* 15. Oktober 1918 in Wien; † 24. März 2009 ebenda) war ein österreichischer Komponist und Musikwissenschaftler.

Er war der älteste der drei Söhne von August Kubizek (1888–1956). Er besuchte das Stiftgymnasium Seitenstetten, wo er Sängerknabe und Altsolist war, und diplomierte im Jahr 1937 am Bischöflichen Lehrerseminar in Linz als Volksschullehrer. Seine musikalische Ausbildung erhielt Kubizek am Bruckner-Konservatorium Linz bei Ferdinand Grossmann im Fach Gesang sowie an der Wiener Musikhochschule bei Alfred Uhl in Komposition und bei Hans Swarowsky im Orchesterdirigieren und in der Chorleitung. Kurse bei Paul Hindemith, Johann Nepomuk David und Herbert von Karajan ergänzten seine Studien.

Seine berufliche Laufbahn begann er als Volks- und Hauptschullehrer in Oberösterreich, wo er von 1946 bis 1954 tätig war. Ab 1956 hatte er einen Lehrauftrag an der Wiener Musikhochschule inne, ehe er dort ab 1973 als außerordentlicher Professor und von 1978 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985 als ordentlicher Professor für Tonsatzlehre und Komposition wirkte.

Kubizek war Mitglied des Vorstands der Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger (Urheberrechtsgesellschaft) sowie Vorstandsmitglied des Österreichischen Komponistenbundes.

Weitere Informationen: Wikipedia

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Zusatzinformationen

Die Tonbänder

Die zehn erworbenen Tonbandspulen wurden nachträglich zu insgesamt fünf Tonbändern zusammengefügt. Auf den Originalschachteln waren die Zahlen 1 bis 10 vermerkt. Ob diese Zusammenstellung bereits vor dem Erwerb erfolgte oder im Auftrag eines früheren Eigentümers vorgenommen wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Die Tonbänder wurden auf einer Revox A77 (1/4-Spur) Tonbandmaschine abgespielt und mit einem Analog-Digital-Wandler (MOTU Model M2) in einer Auflösung von 96 kHz / 24 Bit digitalisiert. Für die Bearbeitung wurde die Software Audacity (Version 3.6.4) verwendet. Für die Veröffentlichung im Rahmen dieses Webprojekts wurden die Aufnahmen in ein MP3-Format mit reduzierter Datenrate überführt.

Problematik der unvollständigen bzw. fehlenden Sendungsfolgen

Folge 4: Am Beginn fehlen sieben Minuten.

Folge 5: Am Ende fehlen drei Minuten.

Folge 6: Am Beginn fehlen fünf Minuten. Durch das vorhandene Manuskript (vom Beginn bis zur Mitte der ersten Seite) kann der fehlende Inhalt vor dem Anhören nachvollzogen werden; anschließend ist ein Einstieg in die Tonaufnahme möglich.

Folge 12: Kein Sendungsmitschnitt vorhanden. Da es sich um ein Gespräch zwischen Prof. Schollum, Prof. Kubizek und Dr. Roček handelt, lässt sich das Fehlen auch nicht durch das Manuskript kompensieren. Inhalt und Verlauf der Sendung bleiben daher unbekannt.

Folge 20: Ab Minute 25 treten kleinere Bandlauffehler auf, die den Inhalt jedoch nicht wesentlich beeinträchtigen.

Folge 25: Am Beginn fehlen sieben Minuten. Durch das vorhandene Manuskript (ab Seite 2, letztes Drittel) kann der fehlende Inhalt vor dem Anhören nachvollzogen werden.

Folge 32: Am Beginn fehlen neun Minuten. Durch das vorhandene Manuskript (ab Seite 2, sechster Absatz) kann der fehlende Inhalt vor dem Anhören nachvollzogen werden.

Folgen 26 bis 28, 30 und 43: Keine Sendungsmitschnitte vorhanden. Die vorhandenen Manuskripte ermöglichen jedoch eine ungefähre Rekonstruktion der Inhalte.

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Entstehung der Webseite

Die 43-teilige Sendereihe konnte als Teil einer Tonbandsammlung auf der Plattform „willhaben“ aufgefunden und erworben werden. Dieser Fund stellte einen besonderen Glücksfall dar, da die Sendungen weder im ORF-Archiv noch in anderen Archiven nachgewiesen werden konnten.

Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Rundfunk in Österreich“ wurde im Jahr 2024 entschieden, die Sendereihe in Form dieses Webprojekts öffentlich zugänglich zu machen.

Die Tonband-Originale wurden der Österreichischen Mediathek zur dauerhaften Archivierung übergeben. Die Übergabe wurde im Rahmen der Fernsehsendung „Wellen der Zeit – 100 Jahre Radio in Österreich“ (21. Oktober 2024) dokumentiert.

Die überlieferte Tonbandsammlung ist jedoch nicht vollständig. Mindestens zwei Tonbänder sind verloren gegangen, wodurch sechs Sendungen fehlen. Bei weiteren vier vorhandenen Folgen fehlen jeweils Teile am Beginn der Aufnahme.

Sollten Ihnen Informationen oder Aufzeichnungen zu dieser Sendereihe bekannt sein, kontaktieren Sie mich bitte, damit die Dokumentation möglichst vollständig werden kann. Für Fragen, Anregungen oder Ergänzungen zu dieser Präsentation und ihrem Inhalt erreichen Sie mich unter kavm(at)slavicky(punkt)at.

Wien, im Oktober 2024; überarbeitet im März 2026

Johannes Slavicky

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Suchaufruf – Mithilfe gesucht

Der derzeit bekannte Bestand an Tonbändern deckt die Sendereihe nicht vollständig ab. Es fehlen mehrere Folgen oder Teile davon.

Sollten Ihnen Aufzeichnungen dieser Sendereihe bekannt sein oder sich in Ihrem Besitz befinden, wäre ich für entsprechende Hinweise sehr dankbar. Bitte erkundigen Sie sich auch in Ihrem persönlichen Umfeld, ob weitere Tonträger existieren, die zur Vervollständigung der Dokumentation beitragen könnten. Sie erreichen mich unter kavm(at)slavicky(punkt)at.

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Literatur und Quellen (Auswahl)

Quellen zur Sendereihe

Sendungsmanuskripte (zwei Teile) von Prof. Robert Schollum, Nachlass Prof. Schollum, Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Signatur F76 Schollum 369/1u2, sowie weitere Manuskripte, Briefe und Notizen.

Radio Österreich, Programmzeitschrift des ORF, Jahrgänge 1968 und 1969.

Wiener Zeitung, Beilage „Programmwoche“, Jahrgang 1970.

Diverse Programmzeitschriften, digitalisiert vom Verein „DokuFunk“.

Dokumentation und Rezeption

„Wellen der Zeit – 100 Jahre Radio in Österreich“, Fernsehsendung, ausgestrahlt am 21. Oktober 2024 um 23:16 Uhr in ORF 2.

Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek – Institut für österreichische Musikdokumentation: Robert Schollum, Konzertabend mit einführenden Worten des Komponisten, 10. April 1981, sowie Ausstellungskatalog.

Musikalische Dokumentation Robert Schollum (1913–1987), Programm und Katalog zur Ausstellung und zum Konzert vom 17. November 1993.

Weiterführende Informationen

Musik in der Volksbildung: ein Handbuch.

„Von Tag zu Tag – Der Komponist Robert Schollum“, Radiosendung, ausgestrahlt am 25. März 1983 in Ö1.

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Danksagungen

Folgende Institutionen und Personen unterstützten mich bei der Erforschung der Sendereihe und bei der Umsetzung dieses Webprojekts oder standen mir mit Auskünften und Hinweisen zur Seite:

Österreichische Mediathek

Herr Mag. Robert Pfundner teilte mir bereits auf meine erste Anfrage hin mit, dass es sich bei meinem Fund um eine Rarität handle. Diese Auskunft gab den entscheidenden Anstoß zur weiteren Erforschung und Veröffentlichung der Sendereihe.

Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Frau Beate Neuenteufel-Zechner gab mir umfassend Auskunft über den umfangreichen Nachlass von Prof. Schollum.

DokuFunk

Frau Mag. Paulina Petri machte mich mit dem Archiv von DokuFunk vertraut. Die Recherche in den digitalisierten Datenbeständen sowie die Einsicht in historische Programmzeitschriften erwiesen sich als sehr aufschlussreich und hilfreich.

ORF-Archiv

Herr Mag. Michael Liensberger teilte mir mit, dass sich im ORF-Archiv keine Unterlagen zu dieser Sendereihe auffinden ließen. Vor dem Hintergrund der damaligen Einschätzung der Sendereihe als volksbildnerisch bedeutendes Projekt wirft dieser Befund Fragen nach der institutionellen Verantwortung des ORF im Umgang mit seinem kulturellen Erbe auf.

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Über mich

Mein Name ist Johannes Slavicky. Ich wurde 1959 in Wien geboren und lebe auch heute dort. Nach dem Eintritt in den Ruhestand widmete ich mich intensiver meinen persönlichen Interessen.

Zu meinen Schwerpunkten zählen die Ahnenforschung (Genealogie) sowie das Sammeln von Aufnahmen klassischer Musik. Dabei gilt mein besonderes Interesse Live-Mitschnitten aus der österreichischen Kulturszene im Zeitraum von 1955 bis 1985.

Wenn Ihnen im Zusammenhang mit dieser Sendereihe oder darüber hinaus interessante Aufnahmen oder Informationen bekannt sind, freue ich mich über entsprechende Hinweise. Sie erreichen mich unter kavm(at)slavicky(punkt)at.

Weitere Informationen zu meiner Person und meinen Aktivitäten finden Sie unter www.slavicky.at – meiner Webseite.

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